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Tratschtanten im Leben und im Chat

Des Metzgermeisters Frau, die Hilde
war wirklich Tag für Tag im Bilde,
was im Dörfchen vor sich ging,
wer an wessen Lippen hing,
wer die Arbeit hatt' verloren,
welcher Meineid wurd' geschworen,
wessen Kind so schlecht geraten -
ja, die Hilde roch den Braten.

Schnitt die Wurst sie fein in Scheiben,

konnt' kein Wort verborgen bleiben.
"Grad war eine Kundin da,
deren Sohn ist sonderbar",
sprach sie leis' zu großen Ohren,
denn der Tratsch wird sanft geboren.
"Es heißt er stehle, nehme Drogen.
Doch, ich weiß es, ungelogen."

Alle stimmten nickend zu

und verdammten dann im Nu
die ganze Jugend, die verdorben.
"Für mich ist diese Frau gestorben,
die nichts Gutes führt im Schilde",
gab bekannt die schlaue Hilde.
"Die betrügt auch ihren Mann,
der ja gar nichts richtig kann."

"Jaja, jaja", sprach da der Chor,

"der Hilde macht man gar nichts vor."
Schnitzel wurden weich geklopft,
Klatsch wurd' in die Welt gestopft:
"Und des Hühnermeiers Weib,
es heißt, sie trinkt zum Zeitvertreib.
Ihr Mann will dazu ja nichts sagen,
man hört, er hätt' sie oft geschlagen."

"Wie gut, dass wir die Hilde haben",

stimmten ein die alten Raben.
"Darf es etwas Hackfleisch sein?
Der Maier Karl, das faule Schwein,
lebt bequem auf unsre Kosten,
der ist nicht krank, der will nur rosten.
Arbeit fänd' er ganz bestimmt,
doch gibt es keine, die er nimmt."

"Wie wahr, wie wahr", ertönte es

vom ehrbaren Schandmaul-Kongress.
Hildes Wissen, grenzenlos,
legte manches Leben bloß.
Doch eines war ihr nicht bewusst:
Ihr Ehemann, in seiner Lust,
hatte, ach, ganz nebenbei,
der Ehefrauen gleichwohl drei.
11.2.10 10:19
 



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